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BRAUCHTUMG


Nigl (Nügü)

In unserer Gegend wird der Krampus als „Nügü“ bezeichnet, was jedoch nichts mit dem Namen den Nikolauses zu tun hat. Der „Nügü“ ist zurück zu führen auf den Kialekt des ehemaligen österreichischen Schlesien und bedeutet zornig oder unmutig. Dies weist wiederum auf einen bösen, neckenden Berggeist hin, der uns noch heute durch uneren Sprachgebrauch als „Zornniggl“ bekannt ist.


Der Percht

Perchten in ihrer ursprünglichen Form sind äußerst selten geworden und vielerorts bereits verschwunden. Sie sind die Vorläufer des Krampusses und Relikte längst vergangener Naturreligionen und somit absolut heidnischen Ursprungs. Funde früher Felszeichnungen, die einen kultischen Kopfschmuck darstellen ähneln verblüffend den Masken von Tiroler Schemenläufern (Perchten).

Da die kath. Kirche jedoch heidnische Figuren nicht brauchen konnte wurden ihnen immer mehr teuflische Fähigkeiten angedichtet bis sie schließlich als die Teufelsknechte schlechthin bezeichnet wurden.

Sie waren ursprünglich ein Symbol für die unbändige Kraft der Natur, somit extrem gefährlich und unkontrollierbar. Ihr Ursprung liegt im Tierreich, ist jedoch nicht genau festzustellen, dürfte aber auf eine Zeit zurückgehen als die Menschen sich noch Götzen schufen, die sie verehrten und fürchteten.

In dem Wort „Percht“ ergibt sich eine Verschmelzung von zwei Bedeutungen. Einerseits bedeutet es bärtig, zottelig oder haarig und andererseits schön bzw. glänzend. Somit erklärt sich auch der Ursprung von Schiach- und Schönperchten (Glöckler).
Der erste überlieferte Unhold ist eine weibliche Gestalt; die als die germanisch, keltische Göttin.


„Perchta, Berechta, Pechtra, Perscht, usw.“

Definiert ist. So schillernd, wie ihr Name ist ihr Wesen. Halb Mensch, halb Dämon, ist sie einmal schön, feenhaft und glückbringend, öfter aber böse, tückisch und hässlich. Ein zerlumptes altes Weib mit wirrem Haar, einem Schlapphut und einer spitzen langen Nase, das man fürchten muss. Sie ist bewaffnet mit einem Besen, einer riesigen Schere oder einer Mistgabel.

Es ist eine Sage überliefert, wo sie als Tochter des Herodes beschrieben wird, die zur Strafe dafür, dass sie das Haupt des Johannes verlangt hatte, in die Frau Percht verwandelt wurde. Hier ist eindeutig der versuch der kath. Kirche ersichtlich, heidnischen Ursprüngen einen christlichen Anstrich zu geben.


Aussehen

Maske
Holzgeschnitzt, mit groben menschlichen Zügen, langen, unförmigen Zähnen oder Schäbeln und mehreren Hörnerpaaren.

Fell und Ausstattung
Das Fell hell, gefleckt, wie in der Natur vorkommend. Schellen, die wie der Pferdeschweif ebenfalls das Teuflische symbolisieren.

Die Perchten waren und sind noch immer wilde Gesellen. Früher kam es oft zu wüsten Raufereien, wenn etwa Perchten aus verschiedenen Dörfern oder Zügen aufeinander trafen, oder wenn sich einfremder Percht in den Zug schmuggelte, der Betreffende riskierte für den leibhaftigen Teufel gehalten und erschlagen zu werden. Es gibt einen belegten Fall, dass dies tatsächlich passierte ist. Man kann dies noch heute in den sogenannten „Kometkämpfen“ sehen, die jedoch nur mehr die gegenseitige Stärke zeigen sollen.

Wer im Pertengewand mit der Teufelsmaske um´s Leben kam, dem war eins christliches Begräbnis verwehrt.

Da is nicht immer mit rechten Dingen zuging und zu extremen Ausschreitungen am, geht auch daraus hevor, dass die Bischöfe immer wieder versuchten das Perchtenlaufen zu verbieten. Aus einem Hofgerichtsbefehl aus dem Jahre 1730 in der Erzdiözese Salzburg ersieht man dieses Verbot und begründete dies im Urteil:“ Damit die Schranken christlicher Zucht, Ordnung und Ehrbarkeit nicht überschritten werden.“

Das Dies jedoch nichts bewirkte zeigt eine Akte aus dem Bistum Salzburg im Jahre 1763, wo ein gewisser Peter Kalsleitner aus der Gegend von Radstadt „zur Strafe wegen verbotenem Perchtenlaufens“ zum Militär einrücken musste.

Die Perchten waren in sämtlichen vier Rauhnächten unterwegs, wobei in der letzten Forstrauhnacht am 5. Jänner ihr letztes Erscheinen war.

Es gibt vier Rauhnächte, wie ein Sprichwort besagt: „Der Rauhnacht, do san viere,
zwoar foarste
und zwoar dire!“

und das sind der:

  • 21. Dezember (Thomasnacht)
  • 24. Dezember (Christi Geburt, „ Percht- oder Reriglnacht“)
  • 31. Dezember (Silvester)
  • 05. Jänner (Forstrauhnacht vor hl. drei König)

Warum diese Nächte als Rauhnächte bezeichnet wurden ist nicht genau festzustellen. Es gibt zwei Deutungen.

Einerseits vom „ Rauchen gehen“ was vieleorts noch in der heutigen Zeit hochgehalten wird, und andererseits vom wilden „rauhen“ Umgang in diesen Nächten.


Nigloherr und Niglofrau

Die beiden haben ihr Urbild in den germanischen Gottheiten“Wodan“ (Odin) und „Perchta“, die um diese Zeit auch im „wilden Gjoad“ die Menschen heimsuchen.

Die Nigloherr, angezogen wie ein „Herr“, also in städtischem Gewand und die Niglofrau in einem weißen Gewand, mit einem Schleier über den aufgelösten Zöpfen und den Gabenkorb im Arm.

Erst im Jahre 1880 trat im Gastnertal an Stelle des Nigloherrn der Bischof Nikolaus.


Nigloherr und Niglofrau

Es ist ein gespenstischer Zug von Geistern und Fabelwesen, wiehernden Rossen und heulenden Hunden. Es erhebt sich nachts oft lautes Wehklagen, welches schnell näher kommend in der Luft dahinzieht und in der Ferne verschwindet. An der Spitze des Zuges der leibhaftige Teufel selbst, mit einem Pferdefuß und einem Bockfuß. Mit ihm eine Scharr von wilden und schrägen Gestalten. (Leutfresser, Dämonen, Höllengestalten).

Hinterher ein Zug von Heiden, bestehend aus lauter kleinen Kindern, die noch vor der Taufe gestorben somit mit der Erbsünde behaftet sind und noch keinen Namen haben. Angeführt von der Permutter (Perchta), das ist die Heidenmutter, ziehen die kleinen Gestalten – wehklagend und mit weißen Hemden bekleidet – als Schluss dieser wilden Jagd dahin. Gab man dem letzten Kind in dem Zug einen Namen oder bedauerte man es, so erlöste man es aus seiner Qual.

(Überliefert sind die Namen „Wauckerl“ oder „mei du armes Zodawascherl“)

Wer jedoch den Weg nicht verließ oder ein Hufeisen samt Nägeln eingeschoben hatte, dem konnte das „wilde Gjoad“ nichts anhaben und der blieb verschont. Ebenfalls hackten früher die Holzknechte, wenn sie am Wegesrand stehend Bäume fällten, in den Baumstrunk drei Kreuze. Dort durften sich die armen Seelen bei ihren nächtlichen Jagden ausruhen.


Die Engel

Kommt vom lateinischen Angelus (Bote). Sie symbolisieren neben dem Nikolaus das Licht Gottes und sind ein Zeichen für dessen Allgegenwart auch unter Dämonen und Teufeln.


Habergeiß

Sie ist jene Figur, die früher in den Häusern bzw. Gehöften, vor allem von Frauen in heiratsfähigem Alter, am meisten befürchtet wurde. Sie achtete auf die Einhaltung sämtlicher Vorgaben des Gutsherren, auf den tadellosen Lebenswandel der weiblichen bediensteten und ebenfalls auf penibelste Ordnung und Sauberkeit. Fand sie Grund zur Beanstandung so wurde dies ohne Rücksicht auf den Gutsherren aufgezeigt und die betreffende Person den Perchten zu Bestrafung übergeben.

Angemerkt sei noch dass eine Beanstandung der Habergeiß als schwere Schmach und Schande empfunden wurde und die betreffende Magd gebranntmarkt war als unsauber, unordentlich und somit nicht für die Ehe tauglich.


Wald- oder Grassatmandl

Ihr Sinn besteht darin zu zeigen dass sogar die Natur zum Leben erwacht um vor den Teufeln und Dämonen fliehen zu können. Weiters sind sie ein Symbol für die Winter schlafende Natur.


Jäger oder Jaga

Mann kann öfters beobachten dass der Teufelsweiser als Jäger dargestellt wird und der Teufel durch ihn von seinem Vorhaben, Seelen zu verführen und zu holen, ab bzw. zurückgehalten wird.

Die begründet sich dadurch dass die Jäger in früherer Zeit die verlängerten Arme der irdisch eingesetzten Vertreter Gottes auf Erden ( Grafen, Fürsten,..) waren. Sie hatten somit diese Berechtigung und ihnen musste alles in der Natur zu gehorchen, somit auch sämtlichen teuflischen Mächte.

Nicht zulässig ist die Darstellung durch Wilderer mut rußgeschwärztem Gesicht, da diese die bereits verführte Seele darstellt.


Schmied

Man sagte ihnen nach mit dem Teufel im Bunde zu sein, da sie Eisen mittels des „Feuers der Hölle“ verbiegen und bearbeiten konnten. Weiters entstanden durch den Funkenflug immer wieder verheerende Brände. Somit übersiedelten die Schmieden aus den Ortskernen in abgelegenere Bereiche und ihre Arbeit war für die übrigen Dorfbewohner nicht mehr einsehbar und daher unheimlich.

Ein typischer Brauch ist das „Anklampfen“ (Festnageln) der Menschen um sie an der Flucht zu hindern und ihnen den leibhaftigen Teufel vorführen zu können.

Ebenso das „Rußschwärzen“, was die Bevölkerung mit den Schmiedegesellen gleichsetzen sollte.


Leut- oder Seelenfresser

Eine Figur, die einen Wildsauschädel oder anderen Tierkopf ( Adler, Bär, Luchs oder Wolf) statt des Menschenhauptes auf den Schultern trägt, Krallen statt der Hände und anstelle der Füße Pferdehufe, die mit Macht in den Boden stampfen.

Er ist als typischer Percht überliefert, der jedoch nie einen Wandel durchmachte und eigenständig geblieben ist.


Tod

Er versinnbildlicht das letzte Gericht, den Scheideweg zwischen Himmel und Hölle. Die Figur, die alle Seelen der Verstorbenen abholt und ihrer Bestimmung zuführt. Interessanterweise sieht man in vielen Krampus- und Perchtenspielen, dass der Tod dem Teufel, der gekommen ist um eine Seele in die Hölle zu bringen, gebieten und diesen unverrichteter Dinge wieder verjagen kann.


Der Klaubauf, Bartl, Bachtl

Sein Name kommt von seiner Aufgabe. Er sollte schlimme Kinder aufklauben und in seinen „Buckelzeger“ stecken. Er ist umgürtet mit Ketten, die seine Gefangenschaft in der Hölle zeigen von der er durch den hl. Bischof befreit wurde, da er seine taten bereut hat.

Durch diese Reue ist er vielerorts mit einem weißen, bzw. hellen Fell zu sehen, das die gereinigte, geläuterte Seele bedeutet. (Hier ist ebenfalls der Versuch der Kirche ersichtlich einer heidnischen Figur eine christliche Bedeutung zu geben).


 

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